Hoffnung für Patienten mit Netzhauterkrankungen: Diese Medikamente können Ihre Lebensqualität erhalten!

Holger Reuss AMD, AMD & DMÖ, Makuladegeneration

Das menschliche Auge ist ein faszinierendes Hochleistungsorgan – kein anderes Sinnesorgan verarbeitet so viel Eindrücke: Pro Sekunde nehmen unsere Augen 10 Millionen Informationen auf und leiten diese ans Gehirn weiter. Eine Stelle in der Netzhaut ist besonders empfindlich: die Makula. Ist sie geschädigt, kann das große Auswirkungen auf Ihr Sehvermögen habe. Die gute Nachricht: Netzhauterkrankungen lassen sich heute besser behandeln denn je. Lesen Sie hier, wie diese Krankheiten entstehen, wie sie verlaufen und wie sie therapiert werden können.

Prinzip Filmkamera

Das Auge funktioniert wie eine Kamera

Das Auge funktioniert wie eine Filmkamera: Das Licht wird durch Hornhaut, vordere Augenkammer, Pupille, Linse und Glaskörper weiter zur Netzhaut geleitet. Dabei übernimmt die Linse die Funktion des Objektivs - sie bündelt das einfallende Licht. Die Iris dient als Blende, die sich je nach Einstrahlungsintensität weitet oder verengt. Die Netzhaut entspricht dem Film in der Kamera: Hier, an dieser lichtempfindlichen Innenauskleidung des Auges, treffen die Lichtstrahlen auf und werden in Nervenimpulse umgewandelt. Über den Sehnerv wandern diese Impulse dann ins Gehirn. Dort werden die optischen Informationen beider Augen verrechnet, so dass wir ein räumliches Bild unserer Umwelt wahrnehmen.

Makula-Erkrankungen schränken Sehkraft ein

Genau im Zentrum der Netzhaut liegt die Makula, auch „gelber Fleck“ genannt. Der Name kommt von dem gelben Farbstoff Lutein, der hier besonders konzentriert vorkommt. Die Makula ist die Stelle des schärfsten Sehens, denn hier sind so viele Lichtrezeptoren gebündelt wie sonst nirgends auf der Netzhaut.

Wenn sich nun genau diese Stelle krankhaft verändert, kann das für die Betroffenen zu erheblichen Konsequenzen führen. Viele Aktivitäten, die bisher zur täglichen Routine gehörten, lassen sich nur noch mit Mühe oder mit fremder Hilfe ausführen. Dazu gehört das Arbeiten am Computer, das Lesen, Einkaufen, Autofahren oder Kochen. Regelmäßige Vorsorge kann verhindern, dass es überhaupt so weit kommt: Denken Sie unbedingt an Ihren jährlichen Kontrolltermin beim Augenarzt!

AMD und DMÖ: unbekannte Volkskrankheiten

AMD

Zwei Makula-Erkrankungen kommen besonders häufig vor, sind dabei aber relativ unbekannt: Die altersbedingte Makuladegeneration (AMD) und das diabetische Makulaödem (DMÖ). Warum man in beiden Fällen in der Tat von Volkskrankheiten sprechen kann, lesen Sie in diesem Beitrag. Hier nur einige Zahlen vom Ratgeber Makula von Novartis und von der Deutschen Diabetes Hilfe.

  • Weltweit leiden etwa 30 bis 50 Millionen Menschen an AMD
  • Vor allem ältere Menschen ab dem 50. Lebensjahr sind betroffen
  • In den USA stellen Ärzte bei jedem fünften über 75-Jährigen die Diagnose AMD
  • Ein Makulaödem tritt bei etwa 6 bis 10 % der Diabetiker auf. Geht man davon aus, dass es 6 Millionen Diabetiker in Deutschland gibt, sind das bis zu 600.000 Menschen. Das entspricht fast der Einwohnerzahl von Düsseldorf.
  • Bei etwa 1 bis 3 % der Diabetiker führt das Makulaödem zu spürbaren Sehbeeinträchtigung. Das sind immerhin 180.000 Menschen.

Altersbedingte Makuladegeneration (AMD): Symptome und Verlauf

Diagnose AMD – was heißt das nun für das Augenlicht? Wie die Erkrankung verläuft und welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt, hängt davon ab, welche Form der altersabhängigen Makuladegeneration bei Ihnen oder Ihrem Angehörigen diagnostiziert wird. Es gibt zwei Formen: Die trockene und die feuchte AMD.

  • Die trockene AMD ist die Frühform und tritt am häufigsten auf. Sie verläuft in der Regel langsam über Jahre. Größere Sehstörungen treten zunächst kaum auf. Dennoch lagern sich bereits in diesem Stadium Stoffwechselabfälle (sogenannte Drusen) unter der Netzhaut ab. Dadurch können die Sehzellen in der Makula nicht mehr ausreichend mit Nährstoffen versorgt werden. Im fortgeschrittenen Stadium der trockenen AMD kann es bereits zu Einschränkungen des erkennenden Sehens kommen. Eine gesicherte Therapie gegen die trockene AMD gibt es derzeit noch nicht - umso wichtiger ist die Früherkennung!
  • Die feuchte AMD ist die seltenere, aber auch aggressivere Form. Laut Ratgeber Makula tritt sie bei nur 10 bis 15 Prozent aller AMD-Erkrankungen auf. Unbehandelt führt sie jedoch in über 80 Prozent der Fälle zu schweren Sehstörungen. Der Grund: Undichte Blutgefäße wuchern in die Netzhaut und die Makula hinein. Gefäßflüssigkeit sammelt sich an oder es entstehen Blutungen. Dadurch schwillt die Netzhaut an und es kommt zu Sehstörungen im zentralen Sichtfeld: Konturen verschwimmen, gerade Linien erscheinen wellig oder verzerrt, ein grauer Fleck legt sich über das Bild.

Diabetisches Makulaödem (DMÖ): Symptome und Verlauf

DMÖ zählt zu den typischen Begleiterkrankungen von Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit). Die erhöhten Blutzuckerwerte schädigen langfristig Nerven und Blutgefäße - auch die feinen Adern, die die Netzhaut mit Nährstoffen versorgen.

OCT - Makulaoedem vor Behandlung

Im Anfangsstadium kommt es zu kleinen Aussackungen der Blutgefäße (Aneurysmen), Ablagerungen von Fett und Eiweiß sowie zu Einblutungen. Die Netzhaut erhält immer weniger Sauerstoff und Nährstoffe. Um diesen Mangel auszugleichen, bildet der Körper neue Blutgefäße. Diese Gefäße sind allerdings recht instabil. Wenn sie Flüssigkeit in das Netzhautgewebe austreten lassen, entsteht ein Ödem - und die Netzhaut verdickt sich. Die Makula büßt ihre Funktion ein und die Sehschärfe leidet: Ähnlich wie bei AMD sieht der Betroffene nur noch unscharf, verschwommen oder verzerrt. Es erscheinen dunkle Flecken oder rote Schleier im Gesichtsfeld.

Früher: Lasern. Heute: Spritzen

Spätestens jetzt gilt: Gehen Sie zum Augenarzt! Bei der Behandlung von feuchter AMD und DMÖ hat sich in den letzten zehn Jahren einiges getan. Haben die Ärzte Anfang des Jahrtausends noch auf Operationen oder Laserbehandlung gesetzt, greifen sie heute in erster Linie auf medikamentöse Therapien zurück. Die Wirkstoffe werden mit einer feinen Nadel direkt in den Glaskörper injiziert (intravitreale Injektion) - unter örtlicher Betäubung und sterilen Bedingungen wie bei einer Augenoperation.

Betäubung mit Augentropfen

Diese Arzneimittel, sogenannte VEGF-Hemmer, unterdrücken die ungehemmte Bildung neuer Blutgefäße. Dadurch kann sich im Auge weniger Flüssigkeit ansammeln. Bereits vorhandene Ödeme können nicht mehr weiter wachsen und trocknen aus.  Folge: Das Fortschreiten der Krankheit wird gestoppt. In einigen Fällen verbessert sich das Sehvermögen sogar. Wichtig ist: Bei entsprechender Therapietreue können Sie Ihre Lebensqualität auch bei einer chronischen Netzhauterkrankung auf einem hohen Niveau halten.

Wirkstoffe und Behandlungsstrategien

Da die Medikamente nur eine bestimmte Zeit wirken, sind in der Regel wiederholte Injektionen erforderlich. Welche Wirkstoffe sind das, wie werden sie verabreicht und wie ist ihre Wirkung?

  • Ranibizumab (Handelsname Lucentis, zugelassen seit 2007): Zunächst bekommt man dreimal im monatlichen Abstand eine Spritze. Wie oft und in welchen Abständen die Behandlung wiederholt wird, hängt davon ab, wie sich die Erkrankung entwickelt. Dazu führt der Arzt regelmäßig Untersuchungen durch. Die Wirksamkeit des Medikaments wurde laut PRO RETINA in mehreren Studien nachgewiesen: „Es kommt in einem sehr hohen Prozentsatz zu einer Stabilisierung des Sehvermögens und in rund 40 Prozent der Fälle zu einer Verbesserung.“
  • Aflibercept (Handelsname Eylea, zugelassen seit 2012): Eylea wird zunächst dreimal im monatlichen Abstand gespritzt. Für die Weiterbehandlung hat man in Studien einen festen Rhythmus von zwei Monaten im ersten Behandlungsjahr untersucht. Experten empfehlen aber eine individuelle Wiederbehandlungen (wie bei Lucentis). Eylea ist in seiner Wirksamkeit mit Lucentis vergleichbar: „Es kommt in einem sehr hohen Prozentsatz zu einer Stabilisierung des Sehvermögens und in rund 40 Prozent der Fälle zu einer Verbesserung.“
  • Bevacizumab (Handelsname Avastin). Dieser Wirkstoff ist allerdings nicht zur Behandlung von AMD, sondern von Krebserkrankungen zugelassen. Einige Ärzte verschreiben es „off-label“, also außerhalb der zugelassenen Indikation. Mehrere Studien haben gezeigt, dass Avastin bei der feuchten AMD genauso wirksam ist wie Lucentis.

Früherkennung wichtig!

Denken Sie daran: AMD und DMÖ verlaufen schleichend und zunächst unbemerkt. Dahinter steckt die Rechenleistung unseres Gehirns: Es ist imstande, die Fehlfunktion des kranken Auges über einen längeren Zeitraum auszugleichen. Wir bemerken die Erkrankung also erst dann, wenn auch das gesunde Auge betroffen ist.

Je früher eine Netzhauterkrankung entdeckt und behandelt wird, desto höher ist die Chance, dass sich die krankhaften Veränderungen wieder zurückbilden - und Sie weiterhin vollumfänglich am Leben teilhaben können. Aber auch mit einem gesunden Lebensstil können Sie dazu beitragen, den Krankheitsverlauf zu verlangsamen.  Hier einige Tipps für den Alltag:

  • Vorsorge: Gehen Sie ab dem 50. Lebensjahr mindestens einmal im Jahr zum Augenarzt und lassen Sie sich gründlich untersuchen.
  • Selbstbeobachtung: Verschlechtert sich das Sehen bei Ihnen oder Ihren Angehörigen spürbar? Nehmen Sie Gegenstände plötzlich verzerrt wahr? Krümmen sich gerade Linien? Springen Buchstaben beim Lesen? Verschwimmen Gesichter? Dann sollten Sie unbedingt einen Arzt aufsuchen.
  • Gitterlinien-Test: Hier können Sie einen Selbsttest machen: https://www.pro-retina.de/netzhauterkrankungen/makula-degeneration/altersabhaengige-makuladegeneration/krankheitsbild/diagnose Decken Sie einfach ein Auge mit der Hand ab und konzentrieren Sie sich mit dem anderen Auge auf den Punkt in der Mitte des Bildes. Wenn Sie Linien wellenförmig, verschwommen oder verzerrt sehen, lassen Sie sich sofort einen Termin beim Augenarzt geben.
  • Nicht rauchen: Raucher erkranken im Schnitt zehn Jahre früher an AMD als Nichtraucher. Wenn Sie Ihren Augen etwas Gutes tun wollen, geben Sie das Rauchen auf.
  • Gesunder Lebensstil: Achten Sie auf eine vitaminreiche Ernährung mit frischem Obst und Gemüse (Spinat, Grünkohl, Mangold), bewegen Sie sich  regelmäßiger an der frischen Luft und schützen Sie Ihre Augen vor starker Sonneneinstrahlung.

Ob Vorsorge oder Behandlung, gerne sind wir für Sie da!

Sie glauben, Anzeichen einer altersbedingte Makuladegeneration oder eines diabetischen Makulaödem bei sich selbst oder einem Angehörigen zu erkennen? Bitte rufen Sie uns unverzüglich unter 089 - 23 68 590 (Mo-Fr 8:30 – 11:30, Di und Do 14:30 – 17:00) an oder schreiben uns eine E-Mail an info@augenaerzte-am-rathaus.de .

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