Multifokale intraokulare Linsen

„Ein Leben ohne Brille“ jetzt für viele möglich!

Neuste internationale Studien zeigen, dass die Bifokal-Linsen-Implantationen – sog . Multifokale Linsen – in den vergangenen Jahren einen ent-scheidenden Technologie- bzw. Innovations-sprung gemacht haben. Das neue optische Design dieser Implantate wird als diffraktiv-refraktiv bezeichnet. Damit wird ein „Leben ohne Brille“, d.h. klares Sehen sowohl im Nah- und Fernbereich, erstmals möglich – wie klinische und wissenschaftliche Forschung belegen.

Eine Multifokal-Linse mit modernster diffraktiv-refraktiver Optik, die AT LISA 809M von Carl-Zeiss-Meditec

Eine Multifokal-Linse mit modernster diffraktiv-refraktiver Optik, die AT LISA 809M von Carl-Zeiss-Meditec

Nach Implantation bifokaler Linsen der jüngsten Generation (mit diffraktiv-refraktiver Optik) können 80-90 % der Patienten auf eine Brille verzichten (Brillenunabhängigkeit). Ein Sehen ohne Sehhilfe kann damit zur Realität für viele Patienten werden.Gerade für die „jungen Alten“ unter uns, die besonderen Wert auf persönliche Lebensqualität legen, bietet sich hier eine interessante Möglichkeit, auf Brille oder auch Kontaktlinse zu verzichten.

Diese Linsen kommen für Sie einerseits in Frage, wenn Sie unter Alterssichtigkeit (Presbyopie) und/oder unter einem grauen Star (Katarakt) leiden. Neuste optische Verbesserungen an den Linsen-Implantaten wie auch Fortschritte in den Operationsverfahren (Kleinschnitt-Chirurgie) bieten andererseits einen breiteren Einsatzbereich auch bei jüngeren Patienten im Bereich der Kurz- oder Weitsichtigkeit.

Gerade bei höherer Kurzsichtigkeit ist diese operative Methode des Linsenaustausches mit Einsatz einer Multifokal-Linse besonders erfolgversprechend und deutlich schonender für die Hornhaut als die bekannten Laserverfahren (LASIK, Excimer-Laser, etc.), bei denen ein Teil der Hornhaut abgetragen wird und unwiederbringlich verloren geht. Daher kann diese Methode des Linsenaustausches in solch ausgewählten Fällen bereits in jüngeren Jahren zum Einsatz kommen.

Bei den gebräuchlichen, heute fast ausschließlich implantierten monofokalen Intraokularlinsen ist das Tragen einer Brille (zumindest einer Lesebrille) nach einer Linsen-Operation kaum zu vermeiden. Eine bifokale Intraokularlinse erlaubt Ihnen dagegen, ohne Brille sowohl in der Nähe als auch in der Ferne scharf zu sehen. Die Vorteile der neusten Generation der Multifokal-Linsen liegen nun darin, dass aufgrund der Kombination des diffraktiven und refraktiven optischen Prinzips auch das Sehen in den Zwischenbereichen (Intermediärbereich von 40 – 70 cm) gegenüber den vorherigen Linsenmodellen deutlich verbessert ist. Damit sind Arbeiten am Computer sowie Aktivitäten im Haushalt , bei vielen Hobbies und Sportarten deutlich erleichtert. Darüber hinaus sind auch Blendungs- und Streulicht-Phänomene, die besonders das nächtliche Autofahren behindern können, deutlich verbessert. Allerdings können Blendungs-Phänomene bei manchen Patienten in abgeschwächter Form und/oder für einige Wochen nach der Operation durchaus auftreten.

Aus diesem Grunde empfehlen wir die Multifokal-Linsen nicht für Patienten, die auf häufiges und ausgiebiges nächtliches Auftofahren angewiesen sind – wie Taxi- und Fernfahrer. Auch klären wir Patienten, die über Stunden täglich am Computer sitzen, darüber auf, dass hier gelegentlich eine leichte Brille hilfreich und notwendig sein kann.

Der Technologie- und Innovationssprung der bifokalen Linsenimplantate ist in der Öffentlichkeit noch relativ unbekannt. Zur Zeit bieten wenige Spezialisten bzw. Kataraktoperateure die bifokale Linse an, da sie ein intensives Eingehen auf den Patienten und seine individuellen Sehbedürfnisse erfordert. Hierzu ist vermehrt Beratungs- und Aufklärungsarbeit nötig, um zum Wohle des Patienten zu prüfen, ob der Patient für diese neue Linse geeignet ist bzw. er in der von ihm gewünschten Weise auch davon profitieren kann.

Eine eingehende Untersuchung des gesamten Auges ist erforderlich, um insbesondere Trübungen der Hornhaut oder Erkrankungen der Netzhautmitte, wie z.B. Makuladegeneration zu erkennen, welche das Einsetzen der Multifokalen Linse ausschließen würde. Außerdem können zusätzliche modernste Untersuchungsverfahren der Hornhaut, wie Pachymetrie und Hornhaut-Topographie, erforderlich sein.

Verständlicherweise fallen diese speziellen Sonderlinsen unter die Rubrik Selbstzahler. Denn es handelt sich dabei um keine basismedizinische Versorgung. Allerdings werden – und dies gilt insbesondere für Bayern als besondere Ausnahme – die Kosten für die Operation bei einer Trübung der Augenlinse (sog. Grauer Star/Katarakt) von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen, nur die Kosten für die Sonderlinsen selber müssen vom Patienten übernommen werden. In den meisten anderen Bundesländern muss der gesetzlich versicherte Patient die Kosten der Operation wie auch der Multifokal-Linsen (Sonderlinsen) selber bezahlen. Eine Anfrage bei der jeweiligen Krankenkasse wird empfohlen. Patienten, die eine Multifokale Linse wählen, um auf ihre Brille verzichten zu können, ohne dass sie an einem Grauen Star leiden, müssen in allen Bundesländern Operation und Linsen selber zahlen.

Noch ein Hinweis: Um einen optimalen Seheindruck zu erhalten, sollte die Implantation von Multifokal-Linsen in kurzen Zeitabständen in beide Augen erfolgen. Die Versorgung nur eines Auges mit einer bifokalen Linse wird nicht empfohlen.

Die nachfolgende Anlage hält weitere Informationen bereit, so z.B. einen historischen Abriss über Augenlinsen, Erläuterungen zu Linsen-Designs sowie jüngste wissenschaftliche Veröffentlichungen zu modernen intraokularen Linsen.

  • 1949 implantierte Harold Ridley in London erstmals eine künstliche Linse aus hartem Plexiglas
  • Viele Widerstände taten sich auf! Die große Innovation braucht Zeit, der Durchbruch gelingt erst Schritt für Schritt. In den Jahren 1950-1980 bahnen sich die Monofokal-Linsen langsam ihren Weg ….heute werden 500 – 600.000 Linsen jährlich in Deutschland implantiert!
  • Ende der 80er/Anfang der 90er Jahre werden die ersten Multifokal-Linsen (bifokale Linsen) implantiert. Es handelt sich um die 1. Generation von Multifokal-Linsen (entweder diffraktiv oder refraktiv); wegen starker Blendungs-Komplikationen werden Linsen u.a. auch wieder entfernt
  • 1998 – 2003 wird die 2. Generation von Multifokal-Linsen angeboten, die erstmals faltbar durch einen kleinen Schnitt implantiert werden können. Es handelt sich im wesentlichen um refraktive IOL, insbesondere progressive, Multi-Zonen Linsen. Aber auch diffraktive Multi-Zonen Linsen kommen auf den Markt. Auch diese Generation von Linsen bleibt hinter den Erwartungen der Katarakt-Operateure zurück
  • Ab 2005/2006: Ein Technologie- und Innovationssprung bringt den entscheidenden Effekt bei der 3. Generation von Multifokal-Linsen. Er ist begründet durch ein neuartiges Produkt-Design (diffraktive-refraktive Optik, d.h. eine Kombinations-Optik) meist asphärisch wie durch einen Fertigungs-Technologiesprung (modernste CNC-Technik im Bereich von Drehen und Fräsen und z.T. unter Verzicht auf ein Polieren der Optik-Oberfläche gemäß den jeweiligen Hersteller-Angaben). Eine Abrundung der positiven Einflüsse erfolgt darüber hinaus durch moderne OP-Schnitt-Techniken, die insgesamt bessere Sehfähigkeiten schaffen. Ein klares Sehen im Nah- und Fernbereich (Linsenoptik: diffraktiv-refraktiv kombiniert) wird möglich – und auch die Abbildungsqualität im Intermediär-Bereich wird verbessert.
Die Standard-Implantat-Linse ist heute nach wie vor die Monofokal-Linse, ihr Anteil bei Implantationen dürfte aktuell bei größer 90 % liegen. Die Monofokal-Linse hat nur einen Brennpunkt; d.h. die Patienten können nur in einer bestimmten Entfernung scharf sehen, da diese Linsen das Licht nur in einem einzigen Punkt bündeln können. Deshalb benötigen diese Patienten nach der Operation mindestens eine, meistens sogar zwei Brillen bzw. eine teure Gleitsichtbrille.

Die Bifokal-Linse hat zwei Haupt-Brennpunkte, der eine ist für die Fernkorrektur und der andere für die Nahkorrektur. Das menschliche Gehirn rechnet sich aus den beiden angebotenen Bildern das gerade wichtige heraus. Leider gelang es weder in der 1. Generation noch in der 2. Generation von Bifokal-Linsen, die Abbildungsqualität mit diesen Linsen auf ein zufriedenstellendes Maß zu bringen. Häufig wurden starke Blendungseffekte von Patienten beanstandet; auch der Grad der Brillenunabhängigkeit liess zu wünschen übrig. Die Ursachen dieser Beanstandungen lagen in der optischen Konstruktion dieser Linsen begründet.

Die 3. Generation von Linsen hat ein neues innovatives Design, ein „diffraktiv-refraktives“ optisches Konzept. In aktuellen klinischen Studien erzielt diese neue Technologie, die erstmals verschiedene optische Systeme kombiniert, sehr vielversprechende Ergebnisse mit einer Brillenunabhängigkeit zwischen 80 – 95 % je nach Linsentyp.

Diese Art von Linsen wird jeweils in beide Augen implantiert. Der Vollständigkeit halber sei ergänzt, dass es unter den „diffraktiv-refraktiven“ Linsen auch ein optisches Konzept eines Linsen-Anbieters gibt, welches die Implantation von zwei unterschiedlichen Linsentypen in beide Augen vorsieht – in das eine Auge die diffraktiv-refraktive Linse und in das andere die refraktive Linse.

Nachfolgend sehen Sie einige Abbildungen von Linsen, die diesem diffraktiv-refraktiven optischen Modell entsprechen. Die Aufstellung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit!

Diffraktiv-Refraktive Multifokal-Linse, Markteinführung 2006/7: Acri.Tec.LISA

Diffraktiv-Refraktive Multifokal-Linse, Markteinführung 2006/7: Acri.Tec.LISA

Diffraktiv-Refraktive Multifokal-Linse: ALCON RESTOR, Innovationspreis F & S (USA)

Diffraktiv-Refraktive Multifokal-Linse: ALCON RESTOR, Innovationspreis F & S (USA)

Diffraktiv-Refraktive MF-Linse mit modifizierter prolater Oberfläche: AMO TECNIS (siehe ReZoom)

Diffraktiv-Refraktive MF-Linse mit modifizierter prolater Oberfläche: AMO TECNIS (siehe ReZoom)

Refraktive Linse: AMO ReZoom (...wird in Kombination mit diffraktiv-refraktiver MF-Linse TECNICS implantiert)

Refraktive Linse: AMO ReZoom (…wird in Kombination mit diffraktiv-refraktiver MF-Linse TECNICS implantiert)

Für Ihre Kontaktaufnahme: Stichwort „Multifokal-Linsen“

Rufen Sie uns an unter 089 / 23685906 ! Nennen Sie uns das Stichwort „Multifokal-Linsen“, dann erhalten Sie von uns einen Termin für eine Spezial-Sprechstunde. Für Patienten, die außerhalb von München leben, halten wir gerne einen telefonischen Beratungstermin – nach Vereinbarung – bereit.

Augenärzte am Rathaus in München,
Weinstrasse 4,
80333 München

Tel.: 089-23685906

Info: „Weitere Informationen“

Mehr Informationen zur Diagnostik, Operation des Grauen Stars, zum Ablauf der Operation (PDF-Format zur Katarakt-Behandlung), zu unseren OP-Zentren und zu unserem Hintergrund / Kompetenz finden Sie auf anderen Seiten unserer Homepage.

Glossar: Grauer Star

Die Katarakt (v. griechisch „Wasserfall“) oder auch Grauer Star genannt, bezeichnet eine Trübung der Augenlinse. Betrachtet man Menschen, die an einer fortgeschrittenen Katarakt erkrankt sind, kann man die graue Färbung hinter der Pupille erkennen bzw. bei „reifem“ Star eine weißliche Verfärbung. Diese hat die alten Griechen an einen Wasserfall erinnert. Bei den heutigen, sehr schonenden mikrochirurgischen Operationsverfahren wartet man nicht mehr, bis der Star „reif“ ist.

Zum Glossar